{"id":1345,"date":"2024-04-10T07:04:00","date_gmt":"2024-04-10T05:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.systemfragen.ch\/?p=1345"},"modified":"2024-04-10T00:42:10","modified_gmt":"2024-04-09T22:42:10","slug":"zwischen-leben-und-tanz-auf-dem-vulkan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.systemfragen.ch\/index.php\/2024\/04\/10\/zwischen-leben-und-tanz-auf-dem-vulkan\/","title":{"rendered":"Zwischen Leben in vollen Z\u00fcgen und dem Tanz auf dem Vulkan"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenig \u00fcberraschend kaue ich auch weiter bitter daran, dass es dann doch nichts geworden ist mit dieser Familie, die ich mir sp\u00e4testens ab Juni 2020 gew\u00fcnscht h\u00e4tte. Dies hat sich als Trugschluss aufgrund Vort\u00e4uschung falscher Tatsachen entpuppt. <\/p>\n\n\n\n<p>Tr\u00e4ume sind bekanntlich Sch\u00e4ume.<\/p>\n\n\n\n<p>Seither irre ich alter Sack, als der ich mich zu oft f\u00fchle, wenn ich morgens erwache und die leere Betth\u00e4lfte zu meiner linken ersp\u00fcre und bei der ersten Bewegung von Schulter oder Knie von einem stechenden Schmerz durchfahren werde, orientierungslos durch die Welt und suche vermutlich vieles, was ich als verloren wahrnehme, aber so sehr wahrscheinlich gar nie gehabt habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war Erich Fromm, der die Nuancen zwischen Haben und Sein sehr schl\u00fcssig herausgearbeitet hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Gerade deswegen tue ich mich unterschwellig immer schwer zu sagen, dass ich gerne eine Familie &#8218;h\u00e4tte&#8216;. Nat\u00fcrlich weiss ich, dass ich diese Familie gewiss nicht nur h\u00e4tte, sondern sie vollumf\u00e4nglich sein w\u00fcrde, sie ohne Wenn und Aber leben w\u00fcrde &#8211; g\u00e4be es sie denn!<\/p>\n\n\n\n<p>Aber lassen wir das. Man soll dem Affen nicht st\u00e4ndig Zucker geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es am vergangenen Donnerstag zum neuerlichen Knall zwischen mir und I. gekommen war, stand ohne Zweifel fest, dass etwas passieren muss. Nat\u00fcrlich nicht irgendwelche juristischen Schritte, aber eine kurzfristige R\u00fcckbesinnung auf rein egoistische Bed\u00fcrfnisse. Keine 5 Minuten nach dem Vorfall wurde ich bei meinem Freund M. aus Klinikzeiten vorst\u00e4ndig, ob er Lust h\u00e4tte, mich \u00fcber das Wochenende zu ertragen. Nach weiteren 2 Minuten war diese Anfrage positiv beschieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Lange Rede, kurzer Sinn. Am Ende lief es darauf hinaus, dass ich mich, wider meine mir soweit vertraute Natur ins Partyleben der Stadt Luzern warf, nat\u00fcrlich unter Zuhilfenahme meiner mir verschriebenen Substanzen, die ich mir daf\u00fcr anderweitig aufgespart und in h\u00f6herer Dosis als \u00fcblich zu Gem\u00fcte gef\u00fchrt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht war dies sogar das allererste Mal, dass mir der Dancefloor als wohlige und stimmige Atmosph\u00e4re erschien, wobei der Gedanken, dass dies, angesichts all der Zust\u00e4nde in der Welt, auf eine beklemmende Art dem wortw\u00f6rtliche Tanz auf dem Vulkan glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wort &#8218;Renitenz&#8216; ist letztes Wochenende einige Male gefallen, da dies mittlerweilen meine vertraute Technik ist, mich gegen den Wahnsinn zu stemmen. M\u00f6glicherweise ist es auch bloss ein Wiederbeleben all der Ermahnungen aus meiner Kindheit, dass ich es im Leben nirgendwohin schaffen w\u00fcrde, t\u00e4te ich auch weiterhin immer genau und mit Vorsatz das Gegenteil von dem, wozu man mich angehalten h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist in der Tat schon l\u00e4ngst zu einer sich selbsterf\u00fcllenden Prophezeiung geworden. Allerdings mit dem Zusatz, dass ich dies nun mit einer gewissen Wonne tue; denn auch richtiges Scheitern muss erst einmal gelernt werden. Zudem sehe ich mich in dieser Renitenz als der schmerzende, eiternde Furunkel auf dem Arsch dieser widerw\u00e4rtigen, kleingeistigen Gesellschaft, heute allerdings anders als ich dies noch vor \u00fcber 20 Jahren f\u00fcr mich antizipiert h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Folglich fiel es mir ausgesprochen leicht, dort auf dem Dancefloor, vis-\u00e0-vis dieses strahlenden Gesichts eines M\u00e4dchens, welches aufs Haar meiner ersten Freundin vor von 20 Jahren glich, einen Dreck auf den ausbrechenden Vulkan zu geben. <\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4re ich so dumm und naiv wie vor 20 Jahren, h\u00e4tte ich jetzt gesagt, es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn f\u00fcr mich die Zeit ebenso stehen geblieben w\u00e4re wie f\u00fcr dieses M\u00e4dchen, welches immer noch der damals 23-j\u00e4hrigen L. glich &#8211; es war sie nicht, zum Gl\u00fcck; denn L. war zwar ein ebenso dralles, h\u00fcbsches M\u00e4dchen wie die Sch\u00f6ne auf dem Dancefloor, aber doch eher ein schwieriger Fall. <\/p>\n\n\n\n<p>Gut, w\u00e4re ehrlicherweise bei mir etwas anderes zu erwarten? <\/p>\n\n\n\n<p>Ohne mich hier der Selbstbeweihr\u00e4ucherung hinzugeben, muss ich sagen, dass ich mir in meiner ungek\u00fcnstelten, aber dennoch reflektierten Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber des allt\u00e4glichen Wahnsinns immer mehr gefalle. Denn zweifelsohne ben\u00f6tige ich nichts anderes als dies: den Exzess, das Abenteuer, das gesamte wahrhaftige Leben. Im Alltag habe ich ja bekanntlich seit l\u00e4ngerem nur die Schattenseiten deselben Lebens zu erdulden. <\/p>\n\n\n\n<p>Zugegeben war der Weg zu diesen 42 Stunden Exzess kein Selbstl\u00e4ufer. Noch am Nachmittag vor der Partynacht war ich nach eineinhalb Jahren zum ersten Mal wieder mit Intrusionen konfrontiert, welche ich erst vor 2 Wochen gegen\u00fcber meinem Therapeuten als \u00fcberwunden erkl\u00e4rt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dumm gelaufen kann man da mit Fug und Recht sagen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ebensowenig sch\u00f6n waren die Palpitationen und diese st\u00e4ndige, diffuse Nausea, die mich seit Donnerstag Abend im Griff hielt. Doch gerade zum Trotz sp\u00fcrte ich schon dort, dass ich nichts anderes will als das: nicht nur diese elende Seite des Lebens, wie sie bei mir zuhause vorherrscht, sondern endlich auch einmal wieder die andere Seite zu erleben, die des hemmungslosen Exzesses. <\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist dies reichlich stilisiert. Denn es war ein kontrollierter Exzess, f\u00fcr mich zwar unverh\u00e4ltnism\u00e4ssig, aber mitnichten verantwortungslos, da ich auf die aktive Teilnahme am Strassenverkehr verzichtet und nur legale, mir verschriebene Medikamente in etwas h\u00f6herer Dosierung als gew\u00f6hnlich als psychotrope Substanzen missbraucht habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Und weder sch\u00e4me ich mich daf\u00fcr, noch habe ich Schuldgef\u00fchle, weil ich sage, dass ich nicht nur Pflichten, sondern auch das Recht habe, und sei es nur stundenweise, ein Leben auch mit den erf\u00fcllenden Seiten zu haben, ohne mich dabei \u00fcberhaupt erst nur auf den Gedanken einzulassen, ob Partymachen nicht a priori eine v\u00f6llige Untugend sei.<\/p>\n\n\n\n<p>So man es will, kann man freilich st\u00e4ndig zum Lachen in den Keller gehen. Darauf habe ich aber zunehmend immer weniger Lust, da ich schlicht kein Griesgram sein mag, egal wie sehr ich dazu Grund h\u00e4tte. In dieser Hinsicht bin ich bedingungsloser Existentialist und folge der Maxime, dass es alleine mir \u00fcberlassen ist, wie ich mit dem umgehen will, was mir ungefragt angetan wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Konkret habe ich mir dieses, meine Leben dort erneut angeeignet, weil ich das Recht dazu habe, egal was andere von der Art und Weise, wie dies geschah, halten m\u00f6gen. Und es tut gut, auch jetzt mit 3 Tagen Abstand dies so und nicht anders getan zu haben und daf\u00fcr keine zwanghafte Apologie abgeben zu m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenig \u00fcberraschend kaue ich auch weiter bitter daran, dass es dann doch nichts geworden ist mit dieser Familie, die ich mir sp\u00e4testens ab Juni 2020 gew\u00fcnscht h\u00e4tte. Dies hat sich als Trugschluss aufgrund Vort\u00e4uschung falscher Tatsachen entpuppt. Tr\u00e4ume sind bekanntlich Sch\u00e4ume. 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