{"id":1470,"date":"2024-06-15T07:13:00","date_gmt":"2024-06-15T05:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.systemfragen.ch\/?p=1470"},"modified":"2024-06-15T01:00:45","modified_gmt":"2024-06-14T23:00:45","slug":"etikettenschwindel-und-schweizer-lebensluegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.systemfragen.ch\/index.php\/2024\/06\/15\/etikettenschwindel-und-schweizer-lebensluegen\/","title":{"rendered":"Schweizer Etikettenschwindel und verschiedene Lebensl\u00fcgen"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer in diesem Land aufw\u00e4chst und dies nicht von Beginn an in einem Milieu des Scheinbewahrenden, wird sich schnell keine Illusionen mehr \u00fcber die wahre Natur vieler Alltagsangelegenheiten machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man in der Schweiz etwas von Klein auf anerzogen erh\u00e4lt, dann ist es das Bem\u00fchen, immer bestm\u00f6glich so tun als w\u00e4re das Offensichtliche nicht so wie es ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Abwehrreflex, der sich dabei z\u00fcgig ausbildet, manifestiert sich in der Phrase, die dann jedem, der bei diesem Spiel nicht mitziehen will, entgegen geschmettert wird:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Dann geh doch nach x, wenn es dir hier nicht passt!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Verhalten zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten und alle Institutionen. Dabei wird nicht differenziert zwischen haltloser Polemik und sachspezifischer Kritik. Man l\u00e4sst nichts auf sein Weltbild kommen, greift unvermittelt zur Vorw\u00e4rtsverteidigung und bedient sich dabei meist genau jener inhaltslosen Polemik, die man dem Gegen\u00fcber vorwirft &#8211; denn bekanntlich kann nicht sein, was nicht sein darf.<\/p>\n\n\n\n<p>In welch entr\u00fcckten Weltbilder die Politkaste in diesem Land schwelt, fragt sich zwar eine immer gr\u00f6sser werdende Zahl an B\u00fcrgern. Man tut dies allerdings mit Einschr\u00e4nkungen und h\u00e4lt sich mit Kritik dezent zur\u00fcck, weil &#8218;es geht einem ja immer noch ganz gut&#8216; &#8211; eine Losung, die man trotz anhaltender Inflation, explodierender Kosten bei den Abgaben an den Staat und ans Gesundheitswesen und dem kaum mehr zu leugnenden Notstand im Verkehr und auf dem Wohnungsmarkt, auch dieser Tage best\u00e4ndig noch h\u00f6rt. <\/p>\n\n\n\n<p>Gute Sitten, falsche Moral, die schon fast pathologisch zu nennende Selbstaffirmation, selbst Teil des vielzitierten Mittelstandes zu sein, zeigt sich in dieser Haltung, egal, wie dr\u00fcckend die Realit\u00e4t im Alltag schon geworden ist. Kanalisiert wird der dennoch nicht zu verleugnende Frust durch bekannte regressive Muster, ausgelebt an Seinesgleichen. <\/p>\n\n\n\n<p>Als exemplarisch zu nennendes Beispiel kann man das Geschehen im Gesundheitswesen nennen, wo sich die Regression in aller Regel in der Weise artikuliert, dass die Generation &#8218;ich schleppe mich auch halbtot noch t\u00e4glich zur Arbeit&#8216; gegen &#8218;im Zusammenbruch begriffen oder bereits in Grabesn\u00e4he&#8216; austeilt und Mitnahmementalit\u00e4t beklagt, gewiss in Verkennung der offenkundigen Tatsache, dass es mit 30 mit etwas Gl\u00fcck noch ein wenig leichter f\u00e4llt, nicht chronisch krank zu sein, dies aber mit 50 oder sp\u00e4testens 60 meist nicht mehr zu gew\u00e4hrleisten ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber selbst daf\u00fcr l\u00e4sst sich mittels neoliberalem Mantra die Schuld immer noch beim Betroffenen abladen. Dass dieser krank ist, liegt selbstredend, ohne Kenntnis der genauen Umst\u00e4nde unzweifelhaft an seinem wenig gesundheitsf\u00f6rdernden Lebensstil. Dass erstere Lebensweise irgendwann zwangsl\u00e4ufig zu letzterer f\u00fchren muss, bleibt wie vieles andere dabei im Bereich leicht verleugbarer kognitiver Dissonanz.<\/p>\n\n\n\n<p>In derselben Geisteshaltung werden mittlerweilen nahezu alle Tagesgesch\u00e4fte in diesem Land abgehandelt. Der absehbare Bruch des Kruges, der aller Widerst\u00e4nde zum Trotz immer wieder zum Brunnen marschiert, sieht jeder kommen, aber, wie anderweitig auch, gilt es verzweifelt und aller Realit\u00e4t zum Trotz die Maxime hochzuhalten, dass es partout nicht so sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Zeitgeist entsprechend flacht das Niveau konstant weiter ab. Ein Blick auf die Profile unserer Koryph\u00e4en aus dem einschl\u00e4gigen pseudolinken Politspektrum bei X\/Twitter offenbart diesen geistigen Niedergang in Form einsilbiger Phrasendrescherei, gespickt mit denselben, sich regelm\u00e4ssig abwechselnden 5 bis 6 Buzzwords:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Der v\u00f6lkerrechtswidrige Angriffskrieg auf die Ukraine&#8230;.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Kinder sind Corona-Viren-Superspreader&#8230;.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Unsere Freiheit (oder wahlweise) unsere Werte wird\/werden im\/am x y z verteidigt&#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Wo man sich um die Jahrtausendwende in der Schweiz noch \u00fcber viele Geschehnisse in der Welt verwundert die Augen gerieben hat, da es niemandem in Politik oder Medien ernsthaft in den Sinn gekommen w\u00e4re, George W. Bush als Friedensstifter im Nahen Osten mit Titel und W\u00fcrden zu \u00fcberh\u00e4ufen, verkauft unser aktuelles polit-mediales Fachpersonal allen Ernstes jemanden wie Wolodymyr Selenskjy als gottgleichen Wohlt\u00e4ter seines Herkunftslandes, w\u00e4hrend selbstverst\u00e4ndlich alle Schuld am ukrainischen Fleischwolf im Reich des B\u00f6sens, im Kreml und damit bei Vladimir Vladimirovitsch angesiedelt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>So einfach ist die Welt, Schweiz inklusive. Was noch vor kurzer Zeit f\u00fcr die Mehrheit der Schweizer Bev\u00f6lkerung als leicht erkennbare Beleidigung an den eigenen Verstand unverz\u00fcglich enttarnt und reklamiert worden w\u00e4re, geht heute anstandslos durch und jedermann m\u00fcht sich weiter, gute Miene zum offenkundig widerw\u00e4rtigen und verlogenen Spiel zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sollte man etwas Verwerfliches an den Schweizer Friedensbem\u00fchungen in der Ukraine finden, die uns Steuerzahler in gewohnten Manier ein sch\u00f6nen Batzen kosten, aber in Wahrheit nur dazu dienen, eine weitere Plattform auf vermeintlich neutralem Boden f\u00fcr das Verschieben von noch mehr Waffen in ein Kriegsgebiet aufzubauen, nat\u00fcrlich unter Verwendung des etablierten Neusprechs, der aus unverkennbarer Kriegstreiberei flugs engagierte Bem\u00fchungen f\u00fcr Frieden macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Krieg ist Frieden und Ozeanien ist nicht im Krieg mit Eurasien&#8230; sondern irgendwie umgekehrt<\/p>\n\n\n\n<p>Dass solche Argumentationslinien ihre Wirkung nicht verfehlen und merklicher Widerstand dagegen ausbleibt, l\u00e4sst tief blicken und zeigt nicht alleine eine mehr als nur fragw\u00fcrdige moralische Verwahrlosung, sondern noch vielmehr das Ausmass geistigen Verfalls breiter Gesellschaftsschichten aufgrund der seit Jahrzehnten bewusst herbeigef\u00fchrten Bildungsmisere.<\/p>\n\n\n\n<p>Der B\u00fcrger als Lakai und Untertan ist nur zu gew\u00e4hrleisten, solange er nicht in Position gelangt, seine eigene Unm\u00fcndigkeit zu erkennen. Viele kluge K\u00f6pfe waren reichlich naiv zu denken, der Staat werde weiterhin gew\u00e4hrleisten, dass seine B\u00fcrger das R\u00fcstzeug im Kampf gegen die selbstverschuldete Unm\u00fcndigkeit an Hand kriegten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die herrschende Kakistokratie m\u00fcht sich zusehends weniger, ihre offensichtlichen L\u00fcgen und Winkelz\u00fcge zu kaschieren, da angesichts einer H\u00e4lfe der Bev\u00f6lkerung in Agonie und der anderen in naiver, selbstgerechter Einf\u00e4ltigkeit schlicht kein Bedarf nach mehr Licht und Schatten besteht. Panem et circenses in unterschiedlicher Ausgestaltung, dazu situativ die passenden S\u00fcndenb\u00f6cke zu pr\u00e4sentieren, reicht bereits f\u00fcr komfortables Durchregieren, vorbei an den Bed\u00fcrfnissen der Mehrheit. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende n\u00fctzt alle direkte oder semidirekte demokratische Partizipation des B\u00fcrgers nicht, wenn er nicht \u00fcber die Mittel verf\u00fcgt, weiter als seine Nasenspitze zu denken und die Interessen all der Einfl\u00fcsterer auf seiner Schulter zu durchschauen. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr wahr, das ist keine leichte Aufgabe, es war nie eine. Jedoch zeigt sich nun, dass es kaum mehr einen vorstellbaren Weg zur\u00fcck zu mehr freiem, selbstbestimmten Denken geben wird. Die omnipr\u00e4sente regressive Reaktion, st\u00e4ndig die Schuld f\u00fcr alle Miseren im Fehlverhalten anderer zu sehen und sich dabei eine kritische Selbstreflektion gleich ganz zu ersparen, zeugt von wenig geistiger Reife, um dies noch milde auszudr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>Demokratie ist zur hohlen Phrase geworden, von der alle denken, sie werde alleine dadurch mit Leben erf\u00fcllt, indem man sie propagandistisch auf Bannern, mit eing\u00e4ngigen aber wenig gehaltvollen Parolen durch die Gassen tr\u00e4gt und dabei blind und in besch\u00e4mend stupider Weise auf jene einpr\u00fcgelt, die, einmal unabh\u00e4ngig von deren pers\u00f6nlicher Agenda, sich zumindest die M\u00fche machen, den Finger in die Wunden dieser multifaktoriellen Krise, die uns immer mehr geiselt, zu legen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Reaktionsmuster auf die kaum mehr zu verleugnende Realit\u00e4t dieser Tage kann auf zwei Verhaltenweise heruntergebrochen werden:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>dem hemmungslosen Diffamieren aller missliebiger Meinungen und Ansichten, die zum aktuellen Geschehen ge\u00e4ussert werden<\/li>\n\n\n\n<li>die  mehr oder minder freiwillige Entscheidung hin zur absoluten Indifferenz, die angesichts der Zust\u00e4nde zusehend einer Art modernen und besonders hippen Todeskults nahekommt<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Ohne besondere Sympathien f\u00fcr libert\u00e4re Hardliner vom Schlage Ayn Rands, die zu allem pers\u00f6nlichen Elend am Lebensabend selbst auf den von ihr so sehr gehassten Sozialstaat angewiesen war, zu hegen, hat dennoch ihre Erkenntnis, dass man die Realit\u00e4t vielleicht vermeiden beziehungsweise verleugnen kann, allerdings nicht die Konsequenzen, welche sich aus dieser Realit\u00e4t heraus ergeben, einen erschreckend wahren Kern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer in diesem Land aufw\u00e4chst und dies nicht von Beginn an in einem Milieu des Scheinbewahrenden, wird sich schnell keine Illusionen mehr \u00fcber die wahre Natur vieler Alltagsangelegenheiten machen. 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