{"id":1572,"date":"2024-08-27T18:03:00","date_gmt":"2024-08-27T16:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.systemfragen.ch\/?p=1572"},"modified":"2024-08-27T09:42:36","modified_gmt":"2024-08-27T07:42:36","slug":"was-ist-liebe-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.systemfragen.ch\/index.php\/2024\/08\/27\/was-ist-liebe-i\/","title":{"rendered":"Was ist Liebe? #1"},"content":{"rendered":"\n<p>Oh, Pfoten verbrannt, zumindest eine. <\/p>\n\n\n\n<p>Beim Gaskochherd draussen auf der Terrasse, der eigentlich aus dem Campingbedarf stammt, werden im Gegensatz zum Cerankochfeld in der K\u00fcche auch die Pfannengriffe heiss.<\/p>\n\n\n\n<p>Lernresistenz oder Unaufmerksamkeit, wie man es auch sehen will, es passiert mir immer wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Sonne ist seit dem letzten Mal draussen kochen schon wieder ein merklich St\u00fcck nach S\u00fcden ger\u00fcckt, was sich am Einstrahlwinkel des untergehenden Fusionsreaktors abends besonders leicht erkennen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Wehmut zieht ein. Ich hasse Winter, ich hasse Herbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon wieder soviel negative Energie. Weg mit diesen Gedanken. Als ob es auf diese noch ank\u00e4me, angesichts des anderen Konvoluts negativer Gedanken. Wie man doch immer jemand anderes sein m\u00f6chte als man gerade ist. Angeblich soll das die ureigene Baustelle von Max Frisch gewesen sein, woran er sich in seinem Werk &#8218;Stiller&#8216; abgearbeitet habe. Wobei Stiller bzw. White letztlich gerichtlich dazu verurteilt wird, Stiller zu sein, ob er will oder nicht. Wenigstens soviel Spielraum besitze ich noch, auch mal jemand anderes zu wollen &#8211; und nicht gleich zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Scheissdreck muss ich&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6n w\u00e4re es!<\/p>\n\n\n\n<p>Muss ich eigentlich noch lieben? <\/p>\n\n\n\n<p>Bloss nicht Bratkartoffeln ankokeln lassen. Um ein Haar zum zweiten Mal verbrannt. Also doch Lernresistenz.<\/p>\n\n\n\n<p>N\u00fcchtern betrachtet sollte ich mich nicht beklagen. Angesichts der Tatsache, dass mein Leben statistisch gesehen schon zu mehr als der H\u00e4lfte verlebt ist, habe ich mich an der Liebe noch nicht so oft verbrannt. Aber wie bei vielem anderen auch: wenn ich etwas tue, dann doch gleich ganz solide.<\/p>\n\n\n\n<p>Dumm gelaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein falsch, eine Ausrede, Selbstbetrug, oder vielleicht doch nicht? Ich weiss es nicht mehr. Eigentlich weiss ich l\u00e4ngst rein gar nichts mehr. Dass mich das Leben ratlos zur\u00fcckl\u00e4sst, ist weiss Gott kein g\u00e4nzlich unbekanntes Ereignis. Aber diesmal, also schon eine recht lange Zeit andauernd, scheint ratlos alleine den Umst\u00e4nden nicht mehr angemessen. <\/p>\n\n\n\n<p>Wo ist der \u00dcbergang von ratlos zu hoffnungslos? Wobei ratlos in Bezug auf Liebe ohnehin kaum die zutreffende Terminologie ist. Hoffnungslos ist da zweifelsohne zutreffender, macht aber nichts besser, au contraire.<\/p>\n\n\n\n<p>Trostspendende Gedanken haben sich in letzter Zeit rar gemacht. Fr\u00fcher, also vor 5 oder 6 Jahren h\u00e4tte ich an dieser Stelle von Denkst\u00f6rungen gesprochen und mir mit zunehmendem Leidensdruck irgendwann Neuroleptika verschreiben lassen. Zumeist stellte sich dann Linderung ein, aber gl\u00fccklich war ich mit den chemischen Helferlein trotzdem nicht. Nebenwirkungen und so, aber auch der Impuls, es doch am Ende selber schaffen zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist schlimmer: wenn man ganz konkret die Ursachen benennen kann, weswegen man sich depressiv f\u00fchlt, oder wenn die Ursachen abstrakt und kaum fassbar bleiben, vielleicht auch bloss eine reine Kopfgeburt sind?<\/p>\n\n\n\n<p>R\u00fcckblickend ist man immer schlauer, weswegen ich sage, heute ist es schlimmer, weil ich die Ursachen des immensen Leidensdruck nur zu gut kenne. Ich glaube, die Sentenz &#8218;fruchtloses Gr\u00fcbeln&#8216; hat sogar Eingang in das ICD oder das DSM gefunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie fruchtlos ist es konkret, \u00fcber Liebe zu gr\u00fcbeln? Gibt es dazu numerisch fassbare Werte? Und wo ist die Grenze zur Pathologie erreicht? <\/p>\n\n\n\n<p>Die Leitlinien besagen, dass 6 Monate Trauerarbeit nach Verlust eines geliebten Menschen ausreichen m\u00fcssen. Alles jenseits davon ist dann pathologisch und somit behandlungsbed\u00fcrftig.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht, dass ich mir nicht irgendwelche Molek\u00fcle zuf\u00fchren w\u00fcrde, liessen sie das Elend wenigstens f\u00fcr eine gewisse Zeitspanne vergessen. Aber die Erfahrung lehrt, dass diese eher nur den abstrakten Leidensursachen entgegentreten. Die brutale reale Welt, die l\u00e4sst sich nur eng begrenzt vergessen machen, am wirkungsvollsten ist dabei noch Ethanol, da sich das kleine Molek\u00fcl um keine Blut-Gewebe-Schranke schert, im Gegensatz zu vielen anderen Substanzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher, vor 25 Jahren waren wir Tripg\u00e4nger der Auffassung, das Leben sei erst dann ertragbar, wenn man die richtige Kombination und Dosis psychotroper Substanzen gefunden h\u00e4tte. Da ist was dran. Meines Wissens nach hat sich aber dann doch niemand von uns diesem einen Lebenswandel voll und ganz verschrieben. Die Realit\u00e4t mag oft Scheisse sein, aber sich auf Dauer Illusionen ergeben, das war und ist mein Ding nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Abendessen verputzt, 20:14, die Sonne ist weg. Nicht schon wieder. Ja, ich hasse Winter, die K\u00e4lte, die Dunkelheit, zieh mich nicht noch weiter runter, noch ist es nicht soweit, es soll noch mal eine Sommer-Gnadenfrist geben. Am Donnerstag, also mit Junior nach Basel zum Baden. Ich hoffe, ich schaffe es. Einfache Freude, die schlicht gelebt werden m\u00f6chte, aber st\u00e4ndig von den D\u00e4monen dieser widerw\u00e4rtigen Ausw\u00fcchse belagert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Zweifel, heute ist es schlimmer! Einen Willk\u00fcrstaat samt seiner Justiz am Hals zu haben, obwohl man sich rein gar nichts zu Schulden hat kommen lassen, so etwas kann kein Kopfkino alleine inszenieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Mag ich mich \u00fcberhaupt noch mit irgendetwas besch\u00e4ftigen?<\/p>\n\n\n\n<p>Denk jetzt nicht an einen rosa Elefanten. Genau so ist es mit dem Denken. Sich zu denken, nicht zu denken, ist ein Oxymoron. <\/p>\n\n\n\n<p>Ist es mit Liebe wesentlich anders? Weder geht es mit ihr, noch geht es ohne sie. Liebe sei eine egostische G\u00f6ttin, und ich zucke erschreckt zusammen, als ich, nach diesem Spruch im Netz suchend auf einen Zeitungsartikel mit dem Titel &#8218;Ersatzreligion Liebe&#8216; stosse.<\/p>\n\n\n\n<p>Um Himmels Willen, reicht es eigentlich noch nicht? Ist diesen Schreiberlingen wirklich nichts mehr heilig? <\/p>\n\n\n\n<p>Nicht, dass ich ein besonders religi\u00f6ser Mensch w\u00e4re, im Gegenteil. Aber je \u00e4lter ich werde, desto mehr verstehe ich, wie wichtig Religion f\u00fcr viele Menschen ist. Vielleicht ginge es mir heute besser, h\u00e4tte ich einen Zugang zu Religion und zu einem irgendwie gearteten Gott. Aber w\u00e4hrend ich allen anderen in Bezug auf ihre Religiosit\u00e4t intuitiv immer unvoreingenommener begegne, str\u00e4ubt sich in mir selbst alles vehement und radikaler denn je gegen den leisesten Hauch eigener Spiritualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer mit Liebe schon \u00fcberfordert ist, tut wohl gut daran, von allem anderen Sinnlichen und \u00dcbersinnlichen gleich ganz die Finger zu lassen. Allerdings hat die Dominanz meiner Ratio auch etwas Sektiererisches, sonst w\u00fcrde sie sich nicht derart an so etwas rational nicht Fassbarem wie Liebe abarbeiten. <\/p>\n\n\n\n<p>Und was, wenn Liebe selbst die eine wahre Religion, die einzige G\u00f6ttin \u00fcberhaupt ist? Dann w\u00fcrde ich von ihr gerade ganz arg auf die Probe gestellt, ohne jeglichen Zweifel. Und diese Falle habe ich mir selbst gestellt, immerhin habe ich wenige S\u00e4tze zuvor Liebe mit genau diesem Nimbus versehen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oh, Pfoten verbrannt, zumindest eine. Beim Gaskochherd draussen auf der Terrasse, der eigentlich aus dem Campingbedarf stammt, werden im Gegensatz zum Cerankochfeld in der K\u00fcche auch die Pfannengriffe heiss. Lernresistenz oder Unaufmerksamkeit, wie man es auch sehen will, es passiert mir immer wieder. 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