{"id":1648,"date":"2024-09-25T12:37:06","date_gmt":"2024-09-25T10:37:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.systemfragen.ch\/?p=1648"},"modified":"2024-09-25T12:37:06","modified_gmt":"2024-09-25T10:37:06","slug":"was-ist-liebe-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.systemfragen.ch\/index.php\/2024\/09\/25\/was-ist-liebe-2\/","title":{"rendered":"Was ist Liebe? #2"},"content":{"rendered":"\n<p>Zweiter Versuch. Also pr\u00e4ziser ausgedr\u00fcckt: der zweite Versuch, im zweiten Teil zu einem Ergebnis zu gelangen. Allerdings war es nie meine Absicht, diesen Diskurs als vertikalen Erz\u00e4hlstrang zu f\u00fchren, daf\u00fcr ist das Thema selbst zu wirr.<\/p>\n\n\n\n<p>Und schon passiert wieder, was in letzter Zeit bei jedem Schreibversuch geschieht:<\/p>\n\n\n\n<p>Ich verliere mich im Belanglosen, im Deskriptiven, weil etwas in mir die inhaltliche Auseinandersetzung scheut, was dann verst\u00e4ndlich wird, wenn man ohnehin schon auf \u00fcber 38 Jahre wohlge\u00fcbte Vermeidungspraktiken zur\u00fcckblickt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass ich letzthin ein l\u00e4ngeres Gespr\u00e4ch auf einem Podcast mit dem Psychiater Hans-Joachim Maaz nach nur 15 Minuten pausiert und danach auch nicht weiter fortgesetzt habe, spricht eine eindeutige Sprache. Der Unterschied zu fr\u00fcheren Zeiten ist zumindest der, dass ich mir der Mechanismen, die zu diesem Abbruch gef\u00fchrt haben, l\u00e4ngst bewusst bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch kognitiv bestimmte Sachverhalte verstehen, in realer, situativer Not dann aber gem\u00e4ss den rationalen empirischen Ableitungen jener Sachverhalte anders zu handeln, sind zwei verschiedene Welten, die leider zu oft Lichtjahre auseinanderliegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herr Maaz hat in meinem Fall nicht nur den Finger in eine Wunde gelegt, sondern Salz in dutzende Wunden zugleich gestreut und dieses zum Schluss noch gem\u00e4chlich einmassiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Reaktion darauf, da ich weiss, wie sensibel ich oft auf audiovisuelle Medien reagiere, habe ich eines seiner B\u00fccher bestellt. Der Prolet guckt TV, der Intellektuelle liest B\u00fccher. <\/p>\n\n\n\n<p>*wamm*<\/p>\n\n\n\n<p>Der n\u00e4chste Tritt gegens Schienbein bei der Lekt\u00fcre von &#8222;Die narzisstische Gesellschaft&#8220; erfolgte prompt,aber, wenn ich aufrichtig bleiben will, wenig \u00fcberraschend. <\/p>\n\n\n\n<p>Frage an das Selbst: wer ist denn nun der Prolet?<\/p>\n\n\n\n<p>Gr\u00f6ssenselbst und Gr\u00f6ssenklein, wie Maaz die Extremata auf der narzisstischen Skala nennt, sind mir auch aus kritischer Selbstreflektion durchaus sehr vertraut. Nebst jenen, meist als Gr\u00f6ssenselbst veranlagten Alltagsnarzissten, denen man t\u00e4glich \u00fcber den Weg laufen kann. Ein spezielles Exemplar dieser Spezies habe ich ja bekanntlich unfreiwillig als Bereichung meines ganz pers\u00f6nlichen Lebens seit einiger Zeit am Hals.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber gewiss, der eine Finger auf ihn zeigend, bedeutet auch, vier andere Finger, die auf mich selbst weisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Phasen des dominanten Gr\u00f6ssenselbst liegen bei mir schon recht weit zur\u00fcck in der Vergangenheit. Diese Art Coping stand mir nur kurze Zeit praktikabel zur Verf\u00fcgung. Erm\u00fcdung und ein Konvolut an inneren Widerspr\u00fcchen, welche sich darob entsponnen hatten, liess mich schnell gegen die Wand laufen. Danach waren das Gr\u00f6ssenklein bestimmend.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch eigentlich geht es mir \u00fcberhaupt nicht um die Symptomatiken; denn der pathologische Narzissmus ist ein solches. Es geht um die Ursachen. Genaugenommen: DIE eine Ursache.<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe<\/p>\n\n\n\n<p>Oder vielmehr: die entbehrte Liebe. Die Liebe, deren man als kleines Wesen, welches regelrecht in die Welt geworfen wird, bed\u00fcrftig ist, welche einem aber, aufgrund widriger Verh\u00e4ltnisse verweigert worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht, dass mir dies nicht schon l\u00e4nger bewusst gewesen w\u00e4re. Der unmittelbare und persistierende, postnatale Verlust der Mutterliebe und dessen Folgen waren mir sp\u00e4testens seit jenem Moment vertraut, als mir die Mechanismen der Strukturellen Dissoziation klargeworden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>So frage ich naiv wie ein Kind: was ist Liebe?<\/p>\n\n\n\n<p>Die bittere Erkenntnis in Form der plausibelsten Antwort auf die Frage ist die, dass es Liebe in dieser absoluten und inkonditionellen Form, wie die Frage es insinuiert, nur als die der Mutter zu ihrem Kind sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Und da es schon damit ganz schlimm um die Welt bestellt ist, kann man auch gleich aufs Ganze gehen:<\/p>\n\n\n\n<p>Verlorene oder einem nie zuteilgewordene Mutterliebe ist irreversibel verloren, und so sind die verhehrenden Sch\u00e4den dieser Entbehrung irreversibel. Nichts und niemand wird einem je diese Liebe zuteilwerden lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob ich wohl noch einen 3. Teil zur Liebe schreiben mag&#8230;?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zweiter Versuch. Also pr\u00e4ziser ausgedr\u00fcckt: der zweite Versuch, im zweiten Teil zu einem Ergebnis zu gelangen. Allerdings war es nie meine Absicht, diesen Diskurs als vertikalen Erz\u00e4hlstrang zu f\u00fchren, daf\u00fcr ist das Thema selbst zu wirr. 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