{"id":209,"date":"2023-07-22T22:17:00","date_gmt":"2023-07-22T20:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.systemfragen.ch\/?p=209"},"modified":"2023-07-23T14:24:01","modified_gmt":"2023-07-23T12:24:01","slug":"neue-alte-reaktionaere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.systemfragen.ch\/index.php\/2023\/07\/22\/neue-alte-reaktionaere\/","title":{"rendered":"Neue, alte Reaktion\u00e4re"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn ich vor einem neuen Post sitze, frage ich mich, was ich wie sagen will.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe einen konkreten Gedanken, etwas, das das Gef\u00fchl ausl\u00f6st, gesagt werden zu m\u00fcssen. Allerdings ohne zu wissen, wie das am besten zu bewerkstelligen 0ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das WAS existiert bereits, aber WIE soll dieses transportiert werden?<\/p>\n\n\n\n<p> Steckt man als Mensch in der mehr oder weniger sprichw\u00f6rtlichen Scheisse, begeht man allzu oft den Fehler, in die R\u00fcckschau zu gehen; zur\u00fcck auf das zu blicken, was einmal war.<\/p>\n\n\n\n<p>Das liegt in der Natur der Dinge; denn das Leben ist eine Verkettung von Ursache und Wirkung. Entscheidungen, die man trifft, werden irgendwann irgendwelche Konsequenzen nach sich ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings will ich nun nicht in eine Analyse der Metaphysik meines Lebens eindringen. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der Vergleich zwischen der eigenen Vergangenheit und der Gegenwart kann aber auch jenseits philosophischer Fragen aufschlussreich sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein oberfl\u00e4chlicher Blick auf das Tagesgeschehen l\u00e4sst heute mehr denn je den Eindruck aufkommen, dass sich die Welt, das menschliche Treiben auf derselben, auf einige wenige Schlagworte reduzieren l\u00e4sst.<br>Treffender als &#8218;Schlagworte&#8216; w\u00e4re allerdings der Term &#8218;Kampfbegriffe&#8216;; denn um nichts anderes geht es mehr in diesen Tagen &#8211; um K\u00e4mpfe:<\/p>\n\n\n\n<p>gut versus schlecht<\/p>\n\n\n\n<p>Mensch versus Virus<\/p>\n\n\n\n<p>Russland versus Ukraine<\/p>\n\n\n\n<p>schwarz versus weiss<\/p>\n\n\n\n<p>Wie in der Informatik gibt es dabei genau zwei Zust\u00e4nde &#8211; 0 und 1<\/p>\n\n\n\n<p> Differenzieren ist keine allzu stark ausgepr\u00e4gte menschliche F\u00e4higkeit, der R\u00fcckfall in simplifizierende, tendenzi\u00f6se Denkschemata erfolgt schnell.<br>Analyse erfordert Reflektion, nicht nur \u00fcber die Geschehnisse ausserhalb der eigenen Blase, sondern auch eine der eigenen Positionen und Meinungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Kind der sp\u00e4ten 70er fiel eine der pr\u00e4gendsten Zeiten meines Lebens in die fr\u00fcher 2000er-Jahre. <br>Selbst den Nachgeborenen wird halbwegs bekannt sein, was sich in diesen Jahren abgespielt hat. <br>Was heute in vollem Ausmass den Alltag in Beschlag genommen hat, war damals bereits am Horizont zu erkennen, die Drift ins totalit\u00e4re Denken und Handeln wurde in jener Zeit angeschoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass 9\/11 das massgebliche Ereignis f\u00fcr diese Entwicklung war, sei hier nur nebenbei erw\u00e4hnt, wobei dies f\u00fcr uns zu der Zeit politisierte, junge Erwachsene gewiss eine Art Bruch in unserer Biographie darstellte. <\/p>\n\n\n\n<p>Diese dramatische Darstellung unserer Leben damals muss allerdings ins rechte Licht ger\u00fcckt werden. Das Totalit\u00e4re war mitnichten alleine ein Ph\u00e4nomen der grossen Politik, nein, auch wir radikalisierten uns zu jener Zeit. Die Geschehnisse dienten vielen von uns als Legitimation f\u00fcr alle Arten beliebigen Verhaltens, seien es der exzessive Konsum aller m\u00f6glicher Substanzen, seien es Strassenschlachten mit den Bullen jeweils im Nachgang der Antikriegsdemonstationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beliebigkeit war r\u00fcckblickend auch meine eigene Handlungsanweisung, nichtwissend, wo ich in dieser Welt, in der angeblich alles m\u00f6glich ist, hingeh\u00f6re. Das neoliberale Mantra, man k\u00f6nne alles im Leben erreichen, sofern man sich nur gen\u00fcgend anstenge, wurde fr\u00fch und nachhaltig in meine geistige DNA eingepflanzt. Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust. Ein Zielkonflikt, den ich bis heute nicht beilegen konnte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schnitt, Kamera aus&#8230;<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Biologie des Menschen sieht eine, im Vergleich zu allen anderen S\u00e4ugetieren, aussergew\u00f6hnlich lange Kindheit vor, eine Zeit der Asexualit\u00e4t also. Schiessen jedoch die Hormone ein, wird im Leben des Kindes alles anders, nichts Neues f\u00fcr alle von uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Wohin man in der Welt geh\u00f6rt, ist nicht nur eine soziale oder wirtschaftliche Frage, sondern auch eine des sexuellen Triebs, egal wie sehr man sich dagegen zu wehren versucht, weil verwirrend, anstrengend, entt\u00e4uschend&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p> In der Patchwork-Welt jener Tage konnte man sich selbst t\u00e4glich neu erfinden, neu konstruieren, sich selbst definieren. Beliebigkeit eben.<br>Nat\u00fcrlich galt das auch in der Welt der Sexualit\u00e4t, dort vielleicht sogar ganz besonders.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zur Generation unserer Eltern war es in den fr\u00fchen 2000er bereits egal, mit wem man ins Bettchen h\u00fcpfte. Alles durfte sein, Homosexualit\u00e4t l\u00f6ste l\u00e4ngst keine Emp\u00f6rung mehr aus, erst recht nicht in der eigenen gleichaltrigen Peergroup. Damals war man der Meinung, dass auf eine Schulklasse von 24-25 Sch\u00fclern etwa 3-5 Kinder kommen, die sich nicht als &#8218;heteronormative Cis-Personen&#8216; bezeichnen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich gab es zu jener Zeit einen Kampfbegriff wie &#8218;heteronormativ&#8216; oder &#8218;Cis-Person&#8216; noch nicht, oder er war zumindest noch nicht im Alltag etabliert. In den Regalen gut sortierter Buchhandlungen fand man erst wenige Werke, die Titel wie &#8218;Genderstudien&#8216; oder &#8218;Gender-Mainstreaming&#8216; trugen. Ein solches findet sich auch heute noch in einem meiner \u00fcberf\u00fcllten B\u00fccherregalen. Sehr wahrscheinlich, dass ich es nur teilweise gelesen habe, pr\u00e4gend waren diese eher theoretisch-abstrakten Gedanken jedenfalls f\u00fcr mich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch fand ich mich irgendwann in der Szene wieder, die man heute LGBT nennt. Dort zu sein, war Praxis, keine Theorie. Nach Jahren schwierigster Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualit\u00e4t, liess sich diese irgendwann in den Tagen jener Jahre nicht mehr unter dem Deckel halten. Der Druck wurde zu hoch, der hormonbedingte Trieb war nicht mehr zu z\u00e4hmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war ein individualistischer Befreiungsschlag, die Festlegung einer weiteren Definition dessen, was ich bin, oder zumindest sein m\u00f6chte &#8211; in einer Welt der Beliebigkeit, wo man zu jeder Zeit quasi alles sein konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Je mehr man sich von den anderen unterscheiden, individuell, oder wie man heute sagen w\u00fcrde &#8211; &#8218;authentisch&#8216; sein wollte, desto mehr glich man dennoch all den anderen, die um dasselbe bem\u00fcht waren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entzaubert<\/h2>\n\n\n\n<p>So w\u00e4hrte die Erl\u00f6sung aus dem Korsett an Zw\u00e4ngen, welches notwendig war, das menschlich Selbstverst\u00e4ndliche, die Sexualit\u00e4t im Zaum zu halten, nur kurz. Die Entt\u00e4uschung folgte auf dem Fusse.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Szene, die man heute LGBT nennt, stellte sich f\u00fcr mich schnell als nicht besonders emanzipatorisch dar. Der Geist des Revolution\u00e4ren, der Ruch des Subversiven, non-Konformistischen war schon 2002 weitestgehend abgewickelt und wurde wie alles andere einer indifferenten Beliebigkeit anheim gestellt. <\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00e4mpfe unserer Elterngeneration f\u00fcr sexuelle Emanzipation, seien es Frauenrechte oder das Ende der strafrechtlichen Verfolgung Homosexueller waren eben ausgefochten. F\u00fcr uns gab es, mit Ausnahme des eigenen Coming-outs, nichts mehr zu erstreiten. Es blieben vorgefertigte, bunte Steinchen, mit denen wir unser Identit\u00e4tsmosaik erg\u00e4nzen konnten. Ein integrales Selbst liess sich mit diesen aber ebenso wenig aufbauen wie mit all den anderen neoliberalen Verheissungen, die uns von Kindheitstagen an am fernen Horizont des Erwachsenseins aufgemalt worden waren.<\/p>\n\n\n\n<p> Der Abschied aus der Regenbogen-Bubble meinerseits erfolgte schnell. Wie mehrere andere, zuvor vielversprechende Versuche war dies eine ern\u00fcchternde Erfahrung. Ein weiteres Konstrukt der Selbstdefinition entzaubert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich f\u00fcr nichts streiten, nichts selbst erk\u00e4mpfen muss, wird schlussendlich nicht zu sch\u00e4tzen wissen, was er, wie selbstverst\u00e4ndlich, vorfindet. Der Verrat an der Sache war unausweichlich.<\/p>\n\n\n\n<p>LGBT war schon damals nichts mehr als eine Wohlf\u00fchloase, eine Blase unter vielen, auf dem Weg zur v\u00f6lligen Entr\u00fcckung von der Welt. Hauptsache, man gef\u00e4llt sich selbst in dieser Rolle des Revoluzzers, obwohl nichts weiter von der Realit\u00e4t h\u00e4tte entfernt sein k\u00f6nnen. Gegenseitiges Spiegeln eines wohlfeilen Narzissmus. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Auffassung, die eigene sexuelle Orientierung sei der Mittelpunkt der menschlichen Existenz war bereits gut erkennbar. Was sich damals noch in Form halb harmloser Sticheleien gegen Heteros manifestierte, ist heute in einen missionarischen Eifer umgeschlagen, seine eigene sexuelle Definitionen allen anderen aufzuzwingen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Ermangelung tragf\u00e4higer menschlicher Werte, wird die eigene sexuelle Identit\u00e4t und Orientierung zum einzig konstituierende Merkmal vieler Menschen. <\/p>\n\n\n\n<p>Etwas b\u00f6se gesagt: <br>W\u00e4re es nur diese individuelle geistige Verarmung, die sich darin manifestiert, k\u00f6nnte man geflissentlich \u00fcber diesen Entwicklung hinwegsehen, sie als trotzdem liebenswerte Marotte einer Minderheit auffassen, die, wie viele andere gesellschaftlichen Minderheiten ihre gesch\u00fctzte Nische hat, aber dennoch legitimer Teil des ganzen bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Menschen streben nach Konformismus. Zwar will niemand die Graue Maus sein, aber die damit verbundene Sicherheit, sich im Schoss der Mehrheitsgesellschaft wiederzufinden, dem entzieht sich auf Dauer kaum jemand.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Konformismus in der LGBT-Blase jener Zeit war schon gut ausgepr\u00e4gt. Zwar war es wichtig, bei jeder Gelegenheit zu betonen, wie &#8218;anders&#8216; man ist als all die anderen, aber ein Deserteur innerhalb des heteronormativen Cis-Mehrheitsheeres  wollte man in letzter Konsequenz dennoch nicht bleiben. <\/p>\n\n\n\n<p>Niemandem soll es verwehrt sein, in sozialer und gesellschaftlicher Sicherheit leben zu wollen. Dennoch war mein Unbehagen gross zu sehen, wie weit die Anpassung bereits ging. Politisch rechtsstehenden Meinungen zu folgen, war nicht mehr verp\u00f6nt. Dass massgeblich aus dem rechtsb\u00fcrgerlich-konservativen Milieu die Unterdr\u00fcckung der Jahrzehnte zuvor stammte- geschenkt.<br>Tout est pardonn\u00e9, Hauptsache man durfte irgendwie mitmischen. Der neue Reaktion\u00e4r war geboren, und er stand dem alten, der ihn zuvor noch verfolgte in seiner Radikalit\u00e4t und Verblendung in nichts nach.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberfl\u00fcssig zu erw\u00e4hnen, dass dieses Bestreben aus der LGBT-Szene schnell von Wirtschaft und Politik aufgegriffen worden war. Da gab es eine neue Klientel, die bedient werden wollte, die gerne schwulen Urlaub auf Bali machen und chic unter Ihresgleichen in queeren Quartieren wohnen wollen. <\/p>\n\n\n\n<p>Soziale Randst\u00e4ndigkeit aufgrund der sexuellen Orientierung war bereits lange zuvor Geschichte &#8211; gerechtfertigterweise, wohlverstanden. Aber wie gesagt, ist das eigene Leiden schnell verblasst, wenn einem die tollen, quietschbunten Verheissungen der kapitalistischen Welt auf dem Silbertablett serviert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie dumm war der Kapitalismus doch, sich nicht schon lange zuvor der queeren Welt anzubiedern; denn diese Bem\u00fchung, die in den fr\u00fchen 2000er begann, stellt sich heute als eine Win-Win-Situation sondergleichen heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zum Kapitalismus, der, mit Ausnahme seines Bestrebens, immer dorthin zu ziehen, wo sich der Akkumulationsprozess st\u00e4ndig beschleunigen l\u00e4sst, nie irgendwelche moralische Werte verk\u00f6rperte, verabschiedete sich LGBT in Windeseile und mit grosser Verve von allem, was man einst m\u00fchsam erk\u00e4mpfen musste, was nun aber im Wege stand, selbst Teil dieser neuen, hippen Welt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Do ut des.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausverkaufsstimmung. Wenn die Regenbogenfahne \u00fcber den Geb\u00e4uden von RUAG, Rheinmetall und Lockheed Martin weht, schl\u00e4gt das queere Herz h\u00f6her. Endlich geh\u00f6rt man dazu, zum Mainstream! Die Ziele sind erreicht. Waffen, Armee und Krieg stehen nicht mehr im Konflikt mit dem eigenen Wesen. Warum auch? M\u00e4nner unter lauter M\u00e4nner, was w\u00fcnscht sich die schwule Seele mehr. Und wenn die Armee nun auch Queer-Beauftragte hat, kann ja nichts mehr schief gehen mit der queeren Identit\u00e4t in Uniform.<\/p>\n\n\n\n<p>Um mit Oscar Wilde zu insinuieren, kennt man auch heute von allem seinen Preis, aber von nichts den Wert. Die Preisgabe der erk\u00e4mpften Rechte wird folglich nicht sehr kostspielig gewesen sein, der Verrat an den eigenen Werten gab es umsonst und interessierte auch niemanden. F\u00fcr die gute Sache war es das allemal wert; denn was gibt es sch\u00f6neres als sich von Politik, Wirtschaft und Medien anbiedern zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was damals noch Anbiederung interessierter Profiteuere an eine Szene n\u00fctzlicher Idioten war, schlug irgendwann zu neuem Dogmatismus um.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die neue heilige Mission<\/h2>\n\n\n\n<p> Einst war das Christentum die emanzipatorische Reaktion auf ein hedonistisches Imperium, ein Koloss auf t\u00f6nernen F\u00fcssen, der seine moralisch verkommene Seele mit polytheistischem Ablasshandel beruhigte.<br>Als das r\u00f6misch-griechische Abendland schliesslich in Tr\u00fcmmern lag, sollte es nicht lange dauern, bis der Christengott seine eigene Indulgenz etabliert hatte.<br>Sobald man die eigene Macht konsolidiert hat, werden alle emanzipatorische Werte zur Makulatur und der eigene Totalitarismus zum Anspruch, dem sich alle zu unterordnen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war der r\u00f6mische Kaiser Augustus, der sich als erster in dieser Position zum Christentum bekannte und dem neuen Gottesreich den Steigb\u00fcgel hielt.<\/p>\n\n\n\n<p> Frage an mich: wer war der erste Missionar in der Guten Sache der LGBT, der mir in den Sinn kommt<\/p>\n\n\n\n<p>Hmm, dabei denke ich spontan an Klaus Wowereits Bonmot:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich bin schwul, und das ist auch gut so!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Worth\u00fclsen ersetzen Inhalte, was ein immanentes Problem der Politik ist. Dass aber sexuelle Orientierung zur Qualifizierung f\u00fcr eine irgendwie geartete fachliche Kompetenz wird, kann man gewiss nur als fatal bezeichnen. Dort wurde dieser Entwicklung T\u00fcr und Tor weit ge\u00f6ffnet, und es gab kein Halten mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Wehe dem, der heute auch nur die leistesten Zweifel an dieser Auffassung anmeldet. Man m\u00f6ge ihn teeren und federn, am Twitterpranger festketten! Um mit Kant zu sprechen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginn.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nicht mehr viel von diesem Verst\u00e4ndnis ist heute geblieben. Sektiererische Rabulistik hat Sachlichkeit und Pragmatismus ersetzt. <\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist es wichtiger, f\u00fcr welches von 12, 45 oder 72 Geschlechtern ich mich entscheide, als dass ich etwas zu fressen auf den Tisch bekomme.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Identit\u00e4tsfrage hat die soziale Frage ersetzt. Das ist auch viel billiger. Es kostet nichts, auf Regierungsgeb\u00e4uden die Regenbogenfahne zu hissen. Das sch\u00f6ne Gef\u00fchl zu den moralisch Aufrechten zu geh\u00f6ren, gibt es gratis dazu. Allen Menschen gleichermassen, ob gesund oder krank, alles Lebensnotwendige und vielleicht noch etwas obendrauf zu gew\u00e4hren, kostet im Gegensatz dazu richtig Geld; und das hat heute bekanntlich niemand.<\/p>\n\n\n\n<p>Gewiss, g\u00e4be es die M\u00f6glichkeit, nat\u00fcrlich kosteng\u00fcnstig, das &#8218;m&#8216; in meinem Pass loszuwerden, z\u00f6gerte ich vermutlich nicht lange, da ich selbst durchaus mit meiner Genderidentit\u00e4t hadere. Warum? Dar\u00fcber werde ich mich vielleicht anderweitig einmal auslassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem liegt meine Priorit\u00e4t auf der Frage, ob ich am Ende des Monats noch soviel Netto in der Tasche habe, damit ich zumindest einmal am Tag etwas auf den Teller kriege. Muss ich diese Frage, leider in zunehmendem Masse, mit Nein beantworten, ist es mir pers\u00f6nlich einerlei, ob in meinem Pass nun &#8218;m&#8216;, &#8218;w&#8216;, oder  &#8218;*:+&#8216; steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es darf folglich nur wenig \u00fcberraschen, dass die Politik so willig auf den Zug der Identit\u00e4tsfrage aufzuspringen. Nat\u00fcrlich interessiert sich dort niemand f\u00fcr die Rechte der Homo, Bi, Trans oder was-auch-immer-Sexuellen; einmal mehr wird eine gesellschaftliche Randgruppe f\u00fcr propagandistische Zwecke instrumentalisiert, entweder ganz merkbefreit oder gen\u00fcgend gebauchpinselt sieht man \u00fcber alles hinweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Honig ums Maul Schmieren ist es bekanntlich nicht geblieben. Wie so oft schl\u00e4gt eine Form der Repression in eine gegenteilige um. So auch hier. Wenn einem Erfolg zu Kopfe steigt, ist das Ego ab einem bestimmten Punkt nicht mehr zu b\u00e4ndigen. Vermutlich war dies der Moment, an dem ich den Absprung von der LGBT-Bubble genommen habe. Sektiererisches war mir die meiste Zeit meines Leben suspekt, die ungeb\u00e4ndigten hormongetriebenen Teenager Tage ausgeklammert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie bei vielen degenerativen Erkrankungen sp\u00fcrt man die ersten Krankheitszeichen erst dann, wenn es bereits zu 70-80% Funktionsausfall der betreffenden Organe bzw. Zellen gekommen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Emanzipatorische, die Werte waren weg, Moderation des eigenen Begehrens, gerade wenn es um einen Urtrieb wie Sexualit\u00e4t geht, fiel schwer. <br>Der Rest ist beinahe schon Geschichte. <\/p>\n\n\n\n<p>Die neuen Reaktion\u00e4ren sind kompetente und noch sch\u00e4rfere Wachhunde ihrer Klientelmoral als es die alten mit ihrer Repression gegen die unz\u00fcchtige Lebensweise selbiger waren. Sie hatten gute Lehrmeister und waren willige und wissbegierige Sch\u00fcler in der Schule des Autoritarismus. <\/p>\n\n\n\n<p>Entfremdung ist in meinem Leben ein Dauerthema. Zumindest weiss ich in Bezug auf LGBT, warum es fr\u00fch zu dieser Entfremdung gekommen ist. Der Verlust dieser Identit\u00e4t war schon damals zu verschmerzen, die Gnade der sp\u00e4ten Geburt ist heute Strafe. Wer weiss, wo ich heute st\u00fcnde, h\u00e4tte es damals bereits die transgender Sektierer gegeben, die heute selbst vom Missbrauch der sexuellen Ambivalent pubertierenden Kindern nicht zur\u00fcckschrecken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich vor einem neuen Post sitze, frage ich mich, was ich wie sagen will. Ich habe einen konkreten Gedanken, etwas, das das Gef\u00fchl ausl\u00f6st, gesagt werden zu m\u00fcssen. Allerdings ohne zu wissen, wie das am besten zu bewerkstelligen 0ist. 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