{"id":476,"date":"2023-08-20T09:10:09","date_gmt":"2023-08-20T07:10:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.systemfragen.ch\/?p=476"},"modified":"2023-09-17T00:31:29","modified_gmt":"2023-09-16T22:31:29","slug":"wieviel-weltuntergang-darf-es-heute-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.systemfragen.ch\/index.php\/2023\/08\/20\/wieviel-weltuntergang-darf-es-heute-sein\/","title":{"rendered":"Wieviel Weltuntergang darf es heute sein?"},"content":{"rendered":"\n<p>Auf meinem Kalender steht heute der 20. August.<\/p>\n\n\n\n<p>Traurig, aber wahr&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sommer wird in K\u00fcrze vorbei sein. Zum Gl\u00fcck &#8211; werden wahrscheinlich nicht wenige sagen. Immerhin werden wir nun seit Wochen, wenn nicht Monaten erneut mit Horrorbilder einer <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/griechenland-waldbrand-108.html\">brennenden<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/regional\/hessen\/hr--nachloescharbeiten-am-altkoenig-vermutlich-bis-samstag--forst-und-landwirte-besorgt-wegen-trockenheit--waldbrand-im-kreis-kassel-geloescht-100.html\">austrocknenden<\/a> Welt geflutet.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend meiner 10 Jahre im Tessin ist mir Wassermangel durchaus nicht unbekannt. Es kam immer mal wieder vor, dass die Gemeinden die Bev\u00f6lkerung \u00fcber Wasserengp\u00e4sse informiert und zum Wassersparen aufgefordert hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr viele wohl \u00fcberraschend, waren diese Probleme allerdings kein Problem des Sommerhalbjahres, sondern des Sp\u00e4twinters, also Februar-M\u00e4rz, da die Winter oft sehr trocken waren. <\/p>\n\n\n\n<p>So kam es dann auch, dass die Waldbrandgefahr oft bereits zu dieser Jahreszeit eine Bedrohung darstellte, w\u00e4hrend in den oft niederschlagsreichen Sommern, vorallem zu deren Beginn im Juni oft keine Gefahr bestand. 2023 illustriert das sehr gut. W\u00e4hrend in vielen Gegenden der Schweiz zum Teil hohe bis sogar sehr hohe Waldbrandgefahr herrscht(e), war dies im Tessin, der vermeinlichen Sonnenstube der Schweiz diesen Sommer kein Thema. Denn es war ein eher feuchter, wetterm\u00e4ssig instabiler Sommer auf der Alpens\u00fcdseite. Mir ist das besonders bewusst, weil ich seit Sommerbeginn zusammen mit M. immer auf einige passende Tages f\u00fcr das wild im S\u00fcden Campieren Ausschau halte &#8211; aber es hat sich kein Zeitfenster einiger Tage, vielleicht einer Woche mit stabilem, trockenen und sonnigen Wetter gezeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso war die Zeit zwischen Mitte Juli und bis ungef\u00e4hr zum 10. August auch auf der Alpennordseite wetterm\u00e4ssig durchzogen bis, meinem Empfinden nach, bereits recht kalt, was sich f\u00fcr mich konkret daran ablesen liess, dass ich wieder lange Hosen aus dem Schrank holen musste, um zuhause nicht zu frieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Bitte jetzt keinen Aufschrei seitens irgendwelcher Klimaaktivisten:<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, ich weiss, Wetter ist nicht gleich Klima.<\/p>\n\n\n\n<p>Darum geht es allerdings nicht. Vielmehr ist die Frage, warum wir seit Covid st\u00e4ndig mit Katastrophenszenarien und Weltuntergangsstimmung geflutet werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Soweit ich mich in meine Kindheit zur\u00fcck zu erinnern vermag, waren verhehrende Waldbr\u00e4nde in Spanien, Italien und Griechenland bereits in den 80er ein Thema. Auch in der Schweiz gab es schon damals immer mal wieder lokal begrenze Br\u00e4nde. Das war nun eben so, es geh\u00f6rte mit dazu und nicht selten wurde dann auch berichtet, dass ein solcher Brand die Grundlage f\u00fcr einen noch vielf\u00e4ltigeren Neustart der Natur lege.<\/p>\n\n\n\n<p>Spannend ist auch die Erkenntnis, dass es extreme Hitze an <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/amerika\/hitzewelle-usa-102.html\">Orten<\/a> gibt, deren Name bereits besagt, dass dort eher extreme Witterung vorherrscht. Ob man nun der Seriosit\u00e4t der Wikipedia trauen will oder nicht scheint es doch so zu sein, dass im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Death-Valley-Nationalpark#Klima\">Death Valley<\/a> schon seit Anbruch des 20. Jahrhunderts, also seit Beginn der Erfassung meteorologischer Messwerte, Temperaturen von bis zu 50\u00b0C und manchmal auch kurzzeitig dar\u00fcber gemessen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ausgemalten Untergangsszenarien gleichen sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Was Ende 2019 und Anfangs 2020 erst einmal nur mit einem neuartigen Virus, welches Atemwegsinfekte ausl\u00f6st, begann, wurde recht schnell zur Zombieapokalypse hochstilisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich liesse noch mit mir streiten in der Frage, ob der erste Lockdown damals gerechtfertigt war oder nicht. Meiner Auffassung nach war er vielleicht nicht g\u00e4nzlich unbegr\u00fcndet. Ebenso lasse ich mich auch noch davon \u00fcberzeugen, dass klimatische Ver\u00e4nderungen im Gang sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Beiden Themen gemeinsam ist jedoch, dass einerseits st\u00e4ndig darauf gepocht wird, dass die &#8218;Wissenschaft&#8216; dieses und jenes sage und dabei alle Wissenschafter unisono mit 99% \u00dcbereinstimmung auch noch dasselbe sagten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war nachweislich bei Covid falsch, ebenso gibt es klare Hinweise, dass es auch diese Eintracht in der Wissenschaftsgemeinde bez\u00fcglich des Klimawandels, beziehungsweise der Ursachen f\u00fcr den Klimawandel nicht gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich mag mich hier aber nicht in der wissenschaftlichen Kleinstaatlichkeit verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Verbindend bei beiden Themen ist jedenfalls, dass sie exzessiv als Vehikel zur Meinungsmache und Manipulation der \u00d6ffentlichkeit benutzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der autorit\u00e4re Staat, der dann auch gerne mal Grundrechte ausser Kraft setzt, ist wieder zur\u00fcck. Die Unverbr\u00fcchlichkeit b\u00fcrgerlicher Rechte ist pl\u00f6tzlich infrage gestellt, wenn es darum geht, ein mittlerweilen nachweislich falsch als Killervirus dargestelltes Virus einzud\u00e4mmen. <\/p>\n\n\n\n<p>T\u00e4te man dies nicht, so wurde argumentiert, w\u00fcrden wir in K\u00fcrze in den Strassen \u00fcber Leichenberge klettern m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, da das Coronavirus als das enttarnt worden ist, was es wirklich ist &#8211; ein durchaus ernstzunehmender, f\u00fcr die Bev\u00f6lkerungsmehrheit aber trotzdem weitestgehend ungef\u00e4hrlicher Erreger von Atemwegserkrankungen &#8211; wird nun, oh Wunder, mit der Klimapanik nahtlos an die Coronapanik angeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der neue Obrigkeitsstaat braucht die Apokalypse mittlerweilen zwingend, weil ihm die Argumente f\u00fcr eine sachliche Diskussion fehlen, oder er sich gar nicht erst bem\u00fcht, \u00fcber seine ihm zuarbeitenden Ministerien, in denen eigentlich Fachleute sitzen sollten, sich welche zu erarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso muss man aber auch konstatieren, dass es um eigenverantwortliches Handeln seitens der Bev\u00f6lkerung auch nicht zum besten bestellt ist. 40 Jahre Neoliberalismus und die dabei ausgegebende Maxime, jeder sei sich selbst der N\u00e4chste, zeigt nun erst in Krisenzeiten seine fatale Wirkmacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Da mutete es wirklich l\u00e4cherlich an, zu Beginn der Corona-Episode an die Solidarit\u00e4t der B\u00fcrger mit den schw\u00e4cheren Mitmenschen zu appelieren. So als ob es Solidarit\u00e4t in einer seit Jahrzehnten auf r\u00fccksichtslosen Individualismus und reinen Egoismus getrimmten Gesellschaft noch geben k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine orwellianische Rabulistik setzte damals ein und hat bis heute nicht mehr wirklich aufgeh\u00f6rt. Lediglich die Themen haben sich ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend man mit Covid den Kindern die Schuld am m\u00f6glichen Tod von Oma und Opa zuzuweisen versuchte, wird derzeit mit allen Formen von Shaming versucht, die Menschen f\u00fcgsam zu machen, damit sie auf Mobilit\u00e4t und bestimmte, \u00f6kologisch angeblich problematische Lebensmittel verzichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Gewiss kann man mit recht guten wissenschaftlicher Fakten untermauern, dass exzessiver Fleischkonsum ungesund und f\u00fcr die Umwelt in solchem Ausmass auch nicht unproblematisch ist. Gleiches l\u00e4sst sich f\u00fcr die schier grenzenlose Mobilit\u00e4t feststellen. Ein Flug mit einem A320 hinterl\u00e4sst den gr\u00f6sseren \u00f6kologischen Fussabbruch als ein Zug, der dieselbst Strecke zur\u00fccklegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur gibt es hier verschiedene Probleme<\/p>\n\n\n\n<p>Ein ganz verwerfliches Beispiel ist in der Mobilit\u00e4t zu finden, wo es zumindest noch bis vor kurzem so war, dass eine bestimmte Strecke mit dem Flugzeug f\u00fcr den Passagier g\u00fcnstiger \u00fcberbr\u00fcckt werden konnte als mit dem Zug. Dass gerade Mobilit\u00e4t mit dem Zug so teuer und oftmals unzuverl\u00e4ssig ist, kann man aber gewiss nicht dem Reisenden ankreiden. Es ist das Ergebnis einer fehlgeleiteten Politik, die die Dinge genau so haben will und die Verantwortung f\u00fcr das eigene Versagen dann auf den Einzelnen abschiebt, der sich schlicht nur an den eigenen finanziellen M\u00f6glichkeiten orientiert.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Zusammenhang liesse sich hier auch gleich noch diese ebenfalls neoliberal gepr\u00e4gte Lebensauffassung kritisieren, die vorspielt, es sei nicht nur legitim, sondern auch erstrebenswert, f\u00fcr ein Shopping-Weekend nach Milano, Barcelona oder New York zu jetten. Was einst ein Ph\u00e4nomen in Kreisen der Reichen und Superreichen war, wurde durch die Mobilit\u00e4tspolitik proletarisiert, so dass nun alle gesellschaftlichen Schichten an diesem Irrsinn partizipieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei kritisiere ich noch nicht einmal diejenigen, der unterhalb der Reichen stehenden Gesellschaftsschicht, die dies auch aus Lust an der Sache und sicherlich auch aus Prestigegr\u00fcnden tun wollen, sondern die Auffassung an und f\u00fcr sich, die solche Verhaltenweisen als erstrebenswert und das Leben als erst richtig lebenswert machend darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist keineswegs prim\u00e4r eine \u00f6kologische, sondern eine \u00f6konomische Frage. B\u00f6se gesagt, k\u00f6nnte man solche Verhaltensweisen als dekadent bezeichnen, die wohlstandsges\u00e4ttigte Gesellschaften irgendwann zu entwickeln beginnen, wenn die wirtschaftlich am besten ausgestatteten B\u00fcrger bereits alles haben, was man haben kann und will beginnen, sich solchen, man muss es so sagen, widerw\u00e4rtigen Gepflogenheiten hinzugeben und diese dazu noch als gesellschaftlichen Massstab zu setzen, mit dem irgendwann auch die weniger Beg\u00fcterten mithalten wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der dumme Unterschied ist allerdings, dass die Weltuntergangsszenarien lediglich an die Mittel- und Unterschicht adressiert ist und auch nur dort Wirkung entfaltet.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich ein sch\u00f6nes neues Elektro-SUV von Porsche leisten kann, beruhigt sein Gewissen damit, dass dieses nun eben keine Dinosaurier mehr verbrennt, sondern eben mit Strom aus der Steckdose f\u00e4hrt, wobei dann auch niemand so genau wissen will, wie der Strom in die Dose kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Prolet hingegen, der sich jeden Tag mit seinem abgewrackten 99er Kleinwagen zur Arbeit begeben muss und in Abw\u00e4gung der Kosten zur Schlussfolgerung gelangt, dass Auto immer noch preiswerter als \u00f6V ist, wird nicht lange fackeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun kommen hier wieder die Moralw\u00e4chter, die sicher berechtigterweise anmerken, im Individualverkehr seien die externen Kosten nicht eingepreist. Selbiges gilt aber auch f\u00fcr G\u00fcter des t\u00e4glichen Bedarfs. Und es bleibt eben eine Frage der realen, eigenen Kaufkraft, ob man sich das vegane Schnitzel f\u00fcr  6.95CHF anstelle des Schweineschnitzels f\u00fcr 2.95CHF kauft.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der moralischen Keule zu argumentieren ist ebenso unlauter wie das Appelieren an menschliche Werte, die man zuvor \u00fcber viele Jahre hinweg demontiert hat, weil sie dem wirtschaftlichen Fortschritt im Weg standen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u00c4quivalent zu den aufgemalten, zeitgen\u00f6ssischen Katastrophen ist das Pr\u00e4sentieren der Folterinstrumente im Verliess der spanischen Inquisition. <\/p>\n\n\n\n<p>Anstelle der F\u00f6rderung eines aufgekl\u00e4rten, selbst\u00e4nig denkenden und vorallem eigenverantwortlich handelnden Geistes, folgt ein entm\u00fcndigender Akt dem n\u00e4chsten. Emotionalisierung ersetzt den Dialog auf Augenh\u00f6he und in gegenseitiger Achtung. Angst wird neuerlich zum Herrschaftsinstrument, w\u00e4hrend weiterhin der sch\u00f6ne Schein von Freiheit, Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Partizipation propagiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobel geht die Welt zugrunde.<\/p>\n\n\n\n<p>p.s. Sehr interessant, wenn auch mir an sich bekannt, war die Aussage eines Piloten in einem Podcast, den ich heute geh\u00f6rt habe, dass, entgegen der hiesigen Hitzepanik, in den USA Rentner vorzugsweise Bundesstaaten wie Florida oder Arizona als Altersresidenz w\u00e4hlen. Dabei ist auch darauf hinzuweisen, dass Arizona ein W\u00fcstenstaat mit ausgesprochen trockener Hitze ist, w\u00e4hrend Florida bereits zu den Tropen geh\u00f6rt, also Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit mit sich bringt &#8211; was man \u00fcblicherweise als besonders belastend f\u00fcr den Organismus darstellt. Es macht also den Eindruck, als ob \u00e4lteren Leuten W\u00e4rme oder gar Hitze der Subtropen beziehungsweise Tropen weniger zu schaffen macht als das kontinentale Klima Montanas oder das arktische Alaskas. <\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht m\u00fcsste man unsere brillanten, mitteleurop\u00e4ischen Erkenntnisse zur Hitzeproblematik den Rentner in den USA endlich stecken, damit diese nicht an oder mit Hitze versterben. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf meinem Kalender steht heute der 20. August. Traurig, aber wahr&#8230; Der Sommer wird in K\u00fcrze vorbei sein. Zum Gl\u00fcck &#8211; werden wahrscheinlich nicht wenige sagen. Immerhin werden wir nun seit Wochen, wenn nicht Monaten erneut mit Horrorbilder einer brennenden, austrocknenden Welt geflutet. 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