{"id":753,"date":"2024-01-28T01:28:44","date_gmt":"2024-01-28T00:28:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.systemfragen.ch\/?p=753"},"modified":"2024-01-28T01:35:12","modified_gmt":"2024-01-28T00:35:12","slug":"das-narrenhaus-oder-die-taegliche-beleidigung-an-unseren-verstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.systemfragen.ch\/index.php\/2024\/01\/28\/das-narrenhaus-oder-die-taegliche-beleidigung-an-unseren-verstand\/","title":{"rendered":"Das Narrenhaus, oder die t\u00e4gliche Beleidigung an unseren Verstand"},"content":{"rendered":"\n<p>Vorneweg: wer einmal, zumindest in der heutigen Zeit, in einer Psychiatrie untergebracht war, wird wissen, dass die dortigen Verh\u00e4ltnisse, ganz im Gegensatz zur Welt der vermeintlich Gesunden, nicht nur zivilisiert, sondern sogar ausgesprochen human sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Gewiss trifft man auch hie und da auf dem Campus einer psychiatrischen Klinik einen fast archetypischen Napoleon, wobei dieser, w\u00e4re der gesunde Betrachter mit sich selbst im Reinen, wesentlich authentischer und vorallem fr\u00f6hlicher daherkommt als mancher Griesgram um 7 Uhr morgens am Hauptbahnhof.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hingegen sei angesichts vieler Verhehrungen auch niemandem ver\u00fcbelt. Denn als w\u00e4re die Qual der t\u00e4glichen, meist sinnentleerten Arbeit nicht schon hart genug, kommt ein allgegenw\u00e4rtiges, mediales \u00dcberangebot an intellektbet\u00e4ubendem Schwachsinn als Dauerberieselung noch erschwerend hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei, es ist schlimm, dies so konstatieren zu m\u00fcssen, sind die so transportierten Botschaften von Not, Gewalt und Krieg eigentlich noch das kleinere \u00dcbel. Das wesentlich schwerer wiegende ist die Art, wie die Geschehnisse als Ergebnis st\u00e4ndig wiederkehrender menschllcher Unvernunft und Reflektionsunf\u00e4higkeit eingeordnet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es l\u00e4sst sich m\u00fcssig dar\u00fcber streiten, ob eine solche Einordnung \u00fcberhaupt geboten, legitim ist; denn es sollte dem selbstkritisch denkenden Zeitgenossen \u00fcberlassen sein, sich seine eigenen Erkenntnisse zu erarbeiten. Dass es dennoch getan wird, w\u00e4re soweit verzeihbar, gesch\u00e4he dies im Anspruch an Lauterkeit und Objektivit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass nun gerade in diesen Tagen, beziehungsweise seit sp\u00e4testens M\u00e4rz 2020, genau das Gegenteil davon geschieht, haben wir mittlerweilen weitestgehend mit entsprechender Gleichg\u00fcltigkeit quittiert. Doch selbstverst\u00e4ndlich bleibt selbst die Kritik daran nicht aus.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr gew\u00f6hnlich zieht sich ein Mensch irgendwann aus der Interaktion mit Mitmenschen zur\u00fcck, deren einzige Absicht darin besteht, mit bestm\u00f6glichem Eigennutz oder nach ideologischen Massgaben zu argumentieren. Ob Argumente dann noch diese Wertung als eine Art unbestreitbares Faktum verdienen, steht auf einem anderen Blatt. Redlich ist ein derart gef\u00fchrter Diskurs gewiss in keiner Weise.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstaunlicherweise ist jedoch genau das fast unbemerkt schleichend zum Standard in der Medienwelt geworden; und dabei meine ich nicht die neueste Chemtrain Absurdit\u00e4t im letzten Winkel des Webs, sondern gerade die Angebote, die man als qualitativ besonders hochwertig anpreist.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die Zeiten, wo dieser Anspruch vielleicht noch seine Berechtigung hatte, mittlerweilen so weit in der Vergangenheit liegen, kann ich mir pers\u00f6nlich schon gar nicht mehr vorstellen, dass es wirklich einst anders war als heute; dass es etwa einst kritische Formate wie Monitor in der ARD gegeben hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es die Sendung mit selbigem Namen auch heute noch, auch der Sendeplatz wird wohl noch derselbe sein. Damit hat es sich aber auch schon mit den Parallelen zu den guten alten Zeiten. <\/p>\n\n\n\n<p>In jenen guten alten Zeiten kam es etwa vor, dass man in einer Reportage aus gebotenem Anlass die deutsche Bild Zeitung als Kampfblatt im St\u00fcrmer-Stil bezeichnet hatte. Meist mit gutem Grund. <\/p>\n\n\n\n<p>Heute haben sich nicht nur die Anspr\u00fcche an Lauterkeit, kritischen Geist und Objektivit\u00e4t bis zur Unkenntlichkeit relativiert, ein Format wie Monitor praktiziert nun denselben Kampfstil in St\u00fcrmer-Manier wie man es zuvor nur von \u00fcblen, schmierigen Printmedien kannte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie schon angedeutet, liesse sich dies am besten mit Ignoranz, beziehungsweise dem roten Knopf auf der Fernbedienung quittieren. Irgendwann, so k\u00f6nnte man meinen, m\u00fcsste angesichts sinkender Quoten Einsicht und Vernunft wieder Einzug halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Weit gefehlt &#8211; muss man mittlerweilen unzweifelhaft feststellen. Man k\u00f6nnte sogar den Eindruck gewinnen, dass, je offenkundiger die Ablehung seitens des Medienkonsumenten ist, die Intensit\u00e4t des entr\u00fcsteten Furors umgekehrt proportional zunimmt. Die Gefolgschaft wird unzweideutig und bedingungslos eingefordert und im Falle fortgesetzter Ablehnung mit entsprechender Etikettierung beantwortet.<\/p>\n\n\n\n<p>Rechts, rechts, rechts, hier ein Antisemit, dort ein Nazi, da dr\u00fcben ein Terf. Das Vokabular der Verbalinjurien ist hinl\u00e4nglich vorw\u00e4rts und r\u00fcckw\u00e4rts durchbuchstabiert worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst das k\u00f6nnte ich pers\u00f6nlich mittlerweilen wegstecken, etwa indem ich auch mal mit kindischem Trotz darauf antworten w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas anderes hingegen, nicht so einfach hinnehmbar, ist die Tatsache, wie flach und unterkomplex man mittlerweilen selbst komplexe Sachverhalte auf einfache Worth\u00fclsen herunterbricht. W\u00fcrde man entschuldigend einen Mangel an intellektuellen F\u00e4higkeiten seitens der Medienschaffenden unterstellen, k\u00f6nnte man es, wenn auch gewiss nicht rechtfertigen, so doch wenigstens verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p> Allerdings bleibt angesichts der penetranten Wiederholung derselben intellektbeleidigenen Narrativen kein Zweifel, dass wir es bei jenen Medienschaffenden mit \u00dcberzeugungst\u00e4tern zu tun haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Dogmatische, sektiererische Verblendung ist seit Jahrtausenden bekannt, warum sollten Medienschaffende davor gefeit sein? Ja, in der Tat gew\u00e4hre ich gerade unglaublich viel Spielraum f\u00fcr geistige Leere, wenn ich selbst angesichts des Unbestreitbaren weiterhin versuche, sachliche Gr\u00fcnde zu finden und diese entsprechend zu entkr\u00e4ften, im Sinne, dass der Geist wohl willig, nur Fleisch zu schwach sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo hingegen auch bei mir jeder gute Wille ultimativ verspielt wird, ist dort, wo sich eine vors\u00e4tzliche, aber selbstenttarnende L\u00fcge auf die andere stapelt und gleichzeitig impliziert wird, der Medienkonsument h\u00e4tte dies gef\u00e4lligst so und nicht anders zu glauben, wobei Zweifel oder Widerspruch erneut mit entsprechend diffamierender Etikettierung beantwortet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter der Maske von Sachverstand und Objektivit\u00e4t gibt sich ein totalit\u00e4rer Geist zu erkennen, der die moralische Keule schwingt, bedingungslos Gefolgschaft einfordert und sich gleichzeitig als einzig wahre, aufrechte Haltung geriert, w\u00e4hrend ihm die F\u00e4higkeit, seine eigene Hybris zu kaschieren, immer weiter entgleitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter Psychiatriepatienten trifft man gelegentlich auf die Auffassung, dass die psychisch Gesunden uns, ihrer Begrifflichkeit nach, &#8218;Irren&#8216; nur deswegen ben\u00f6tigen, um etwaige Zweifel an ihrer eigenen geistigen Zurechnungsf\u00e4higkeit in andere Relationen zu stellen und letztendlich soweit zu zerstreuen, dass selbst der gr\u00f6sste Wahnsinn als Akt der reinen Vernunft erscheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein kritischer Blick auf die medialer Dauerberieselung l\u00e4sst bei mir mittlerweilen keine grossen Zweifel mehr an der Richtigkeit dieser Aussage zu. Die zeitgen\u00f6ssischen Narrenh\u00e4user sind nicht die Psychiatrien, es sind die Parlamente, Pr\u00e4sidentenpal\u00e4ste und Konzernzentralen. Im Gegensatz zu gew\u00f6hnlichen Psychiatriepatienten haben jene Narren allerdings die bestm\u00f6glichen F\u00fcrsprecher, denen es, vulg\u00e4r ausgedr\u00fcckt sogar gelingt, die am Laufmeter verbrochene Scheisse auch noch erfolgreich als Schokolade an den Mann bringen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorneweg: wer einmal, zumindest in der heutigen Zeit, in einer Psychiatrie untergebracht war, wird wissen, dass die dortigen Verh\u00e4ltnisse, ganz im Gegensatz zur Welt der vermeintlich Gesunden, nicht nur zivilisiert, sondern sogar ausgesprochen human sind. 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