{"id":933,"date":"2024-03-14T23:35:13","date_gmt":"2024-03-14T22:35:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.systemfragen.ch\/?p=933"},"modified":"2024-03-14T23:35:13","modified_gmt":"2024-03-14T22:35:13","slug":"knoten-im-kopf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.systemfragen.ch\/index.php\/2024\/03\/14\/knoten-im-kopf\/","title":{"rendered":"Knoten im Kopf"},"content":{"rendered":"\n<p>Was ein einzelner Tag ausserhalb der gewohnten Blase alles ver\u00e4ndern kann, wird einem erst bewusst, wenn es passiert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie ich schon anderweitig beschrieben habe, wird der Zeitgeist von Tag zu Tag unverst\u00e4ndlicher und weniger verstandesm\u00e4ssig erfassbar. Somit d\u00fcrfte ich nicht derart \u00fcberrascht sein, wie ich es heute bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Tag Krankenhaus inklusive 2 Stunden substanzinduziertem, schmerzbefreitem Schlaf hat ausgereicht, meine Wahrnehmung derart nachhaltig zu verzerren, dass vieles von dem, was ich mir heute zu Gem\u00fcte gef\u00fchrt habe, noch weniger als sonst verst\u00e4ndlich erscheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Erleichtert wird dieser Umstand nur dadurch, dass offenbar auch heute noch einige Opioidmolek\u00fcle durch meinen Blutstrom rauschen, so dass das bekannte Kabinett des Schreckens gerade reichlich l\u00e4cherlich daherkommt. <\/p>\n\n\n\n<p>Das sind diese Momente, wo man zu verstehen beginnt, warum es so viele gibt, die sich sprichw\u00f6rtlich die beste Zeit ihres Lebens in die Vene verabreichen. Nicht dass mir dies sonderlich erstrebenswert erschiene, aber es wird zumindest verst\u00e4ndlich, wenn man die Welt wenigstens kurzzeitig durch den Nebel entsprechender Substanzen wahrnehmen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der herrschenden Zust\u00e4nde kommt jeder Knopf im Hirn gelegen, auch weil man sich dabei der Einfachheit halber auf geistige Unzurechnungsf\u00e4higkeit herausreden kann, um nicht mehr verstehen zu m\u00fcssen, was a priori nicht zu verstehen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sollte mir wirklich zu denken geben, dass ich Krankenhausaufenthalte und Operationen dem gew\u00f6hnlichen Wahnsinn des Alltages mittlerweilen als willkommene Abwechslung und Ablenkung so breitwillig den Vorzug gebe. Nebst der Tatsache, dass man entsprechend medikament\u00f6s, ganz sprichw\u00f6rtlich &#8218;versorgt&#8216; wird, kommt der Umstand, dass man nirgendwo sonst mehr soviel Recht in Anspruch nehmen kann, nur f\u00fcr sich alleine sorgen zu m\u00fcssen und zu d\u00fcrfen wie im Krankenhausbett.<\/p>\n\n\n\n<p>Wann sonst w\u00fcrde ich mir erlauben, um 14 Uhr im Bett zu liegen und mich dabei noch gut zu f\u00fchlen? Die Entschuldigung, es nicht anders tun zu k\u00f6nnen, weil die Substanzen zuerst ihren Weg aus dem K\u00f6rper raus finden m\u00fcssen, ist eine befreiende Erfahrung. Und im Unterschied zu den vielen gleichen Erlebnissen in der Kindheit, ist dies heute meine freie Entscheidung. Sich auf diese Weise abschiessen zu lassen, hat den durchaus bequemen Nebeneffekt, f\u00fcr einige Zeit nicht mehr selbst das Heft des Handeln in H\u00e4nden halten zu m\u00fcssen. Wobei ich zugeben muss, dass ich das vor noch nicht allzu langer Zeit g\u00e4nzlich anders gesehen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile w\u00fcrde ich mir wohl keinen einzelnen Zahn mehr ziehen lassen, ohne weggeballert zu werden, weil ich mir schlicht sagen muss, dass ich mir dieses Elend, auch mit Lidocain, nicht zus\u00e4tzlich antue. Nicht dass ich es nicht k\u00f6nnte, weil ich Angst h\u00e4tte; aber es ist \u00fcberfl\u00fcssig und die zeitweilige Inobhutnahme durch medizinisches Personal, vorallem dann, wenn der Austausch auf Fachebene gef\u00fchrt werden kann, ist mir mehr als willkommen als legitimes Mittel, wenigstens kurzzeitig auch etwas F\u00fcrsorge f\u00fcr mich selbst in Anspruch nehmen zu d\u00fcrfen. Etwas, was sonst ich selbst st\u00e4ndig f\u00fcr andere leisten muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ein einzelner Tag ausserhalb der gewohnten Blase alles ver\u00e4ndern kann, wird einem erst bewusst, wenn es passiert ist. 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