Die eigene Betriebsblindheit Pascal, 29. Januar 202429. Januar 2024 Für jemanden, der den kategorischen Imperativ so hoch hängt wie ich es tue, besteht das Leben daraus, ständig alles dahingehend abzuklopfen, ob sich unter dem ersten oberflächlichen Eindruck mehr versteckt als dem Anschein nach zu vermuten wäre. Das ist moralischer Anspruch, allerdings gesellt sich unbemerkt und unbeabsichtigt schneller als gedacht eine doch unbestreibare Hybris in die eigene Analyse der Geschehnisse. Goethe folgend nehme ich hier entlastend in Anspruch, dass der Mensch sich irrt, solange er strebt. Ein bisschen ungehalten über einen Artikel auf RT.de, habe ich der Redaktion einen Leserbrief zukommen lassen, im Bemühen, die meiner Auffassung ein klein wenig zu undifferenziert geratene Analyse der Autorin diskursiv zu erweitern, um bis dorthin unberücksichtigte Aspekte des pro und contra genauer herausarbeiten zu können. Wie ich vorhin beim Blick in die Leserbriefrubrik auf RT.de feststellte, wurde der meinige offenbar kürzlich veröffentlich; denn ein anderer Leser hat in seinem Text auf ihn Bezug genommen. In Kurzfassung war mein Versuch einer maximal differenzierten Bewertung des Themas der, dass ich, einmal abgesehen vom Fanatismus der Abtreibungsgegner, durchaus Verständnis für deren Anliegen zum Lebensschutz habe, es aber nicht für hinnehmbar halte, dass man Frauen in der Notsituation einer ungewollten Schwangerschaft auf dem Weg zu einer staatlich verordneten Beratung in physische und moralische Bedrängnis bringt. Es wäre auch beim beliebig wiederholten Nachlesen meines Textes gewiss nicht aufgefallen, dass sich trotz aller Bemühungen, die wesentlichen Faktoren zu berücksichtigen, gedankliche Leerstellen eingeschlichen haben, auf welche mich der Autor der Replik dankenswerterweise hinwies. Denn er meinte, dass es gewiss eine nicht unerhebliche Zahl an ungewollten Schwangerschaften bei Frauen in sozial prekären Lagen gäbe, wir aber nicht unberücksichtigt lassen dürfen, dass es in einer wahrscheinlich erheblich grösseren Zahl Frauen gäbe, die zwar unbeabsichtigt schwanger werden würden, sich des ungeborenen Kindes aber nur deswegen wieder entledigen wollen, weil es etwa einer ungehinderten beruflichen Karriere im Wege stünde – womit wir unmittelbar wieder bei den Verhehrungen der neoliberalen Agenda wären. Zwar könnte ich nun erwidern, dass, unabhängig von der jeweiligen situativen Lage der Frau und der daraus resultierenden Motivation, sich für oder gegen ein Kind zu entscheiden, dennoch ihre individuelle Willensfreiheit über allem anderen stünde. Die zuvor erwähnte Hybris enttarnt sich hier mit der Verwendung des Adjektivs ‚individuell‘. Will ich dem Anspruch an eine differenzierte Bewertung komplexer Sachverhalte gerecht werden, darf es meiner Aufmerksam nicht entgehen, dass der legitime Anspruch auf Individualität, also eine selbstbestimmte Lebensführung keine absolute Geltung beanspruchen kann. Dass die eigenen Wünsche und Bedürfnisse sowie deren Befriedigung in vielerlei Hinsicht essentiell für die Entwicklung eines stabilen Selbst sind, steht ausser Frage. Allerdings erklärt man schon einem kleinen Kind, dass es nicht in jeder Lage seine Bedürfnisse und seinen Willen gegen die nicht minder vitalen Bedürfnisse anderer durchsetzen kann, und dass dies keineswegs einen Verlust für die persönliche Entwicklung bedeute, sondern durchaus die Chance zu einer unerwarteten Bereicherung der eigenen Welt beinhaltet. Nehmen wir als unbestreitbar gesetztes Faktum an, dass der Neoliberalismus in all seinen Ausprägungen durchwegs und rücksichtslos seinen Eigennutz über alles andere stellt, dann bleibt auch mir, bei allem berechtigten Insistieren auf den freien Willen als ein Wesensmerkmal der Befreiung aus der eigenen Unmündigkeit, keine andere Einsicht, als dass schon alleine vom humanistischen Standpunkt aus betrachtet, jeglicher Anspruch auf Freiheit selbstlimitierend sein muss und sich ein Ausgleich, auch zwischen verschiedenen, dem Geist der Aufklärung wesenseigenen Wertecodices, im Sinne des Humanismus als gleichermassen letzte wie höchste moralische Instanz, gebietet. Freilich wird hier die Pforte in die Metaphysik weit aufgestossen. Man könnte darüber philosophieren, ob es den freien Willen nach Vorstellung der Aufklärung überhaupt gibt, ob dies eine Illusion oder eine Konstruktion sei. Gewiss, das ist alles zulässig, allerdings sehe ich spontan keine Basis für die Metaphysik, hier schlüssige Antworten auf die simple, aber mit schwerwiegenden moralischen Implikationen behaftete Frage, wie über Leben und Tod eines Embryos oder eines Fötus zu entscheiden wäre, ohne dass sich dennoch unweigerlich menschliche Abgründe auftäten. Zudem sind solch metaphysischen Untersuchungen bisweilen derart theoretische Konstrukte, dass sie zu deren Verständnis eines entsprechenden Überbaus an Fachkenntnis bedürfen, worüber die allermeisten Menschen nicht verfügen. Das wiederum mag man bedauern, ist aber eine Realität. Es sollte in einer derart verkopften Form auch keine Voraussetzung für eine bestmögliche freie und selbstbestimmte Lebensgestaltung sein. Ohne dass mir dieser Gedanke besonders gefiele, könnte es durchaus sein, dass gerade solche Fragen über Leben und Tod mit einem individuell und akurat verankerten spirituellen Wertekompass für den Einzelnen leichter zu beantworten sind als mittels einer erst zu konstruierenden moralphilosophischen Herleitung. Selbstredend schliesst mein Verständnis von Spiritualität eine Huldigung beliebiger Mammon-Götzenbilder explizit aus. Ganz persönlich Gedanken
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